Austausch über partizipatorische Kinder- und Jugendarbeit

11.04.2018 Kollegen aus Marokko und Bremen tauschen sich über Sozialarbeit beim Besuch in Bremen aus / Treffen in Alten Eichen mit Blick auf die Partizipationsmöglichkeiten in der Kinder- und Jugendarbeit

Um einen Eindruck von der Jugendarbeit in Marokko zu gewinnen und mit der eigenen Arbeit in Bremen zu vergleichen, haben die Transnational Corridors mit dem Diakonischen Werk Bremen gemeinsam mehrere Reisen zum Austausch organisiert. Bereits zum vierten Mal – zweimal in Marokko und zweimal in Bremen – haben sich die Bremerinnen und Bremer mit den Kolleginnen und Kollegen aus Marokko nun bereits getroffen und ausgetauscht. Auf dem Programm des Besuchs der neunköpfigen Delegation aus Marokko in Bremen, der heute zu Ende geht, stand neben dem Austausch auch ein Innenstadtrundgang mit Blick auf die Straßensozialarbeit sowie ein Besuch des SOS-Kinderdorfs in Worpswede, der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des Klinikums Bremen-Ost und des Mütterzentrums Tenever.

Heute traf sich die Gruppe in Alten Eichen und erhielt bei der Führung durch die Trauma- und Erlebnispädagogische Conrad-Gruppe einen Überblick über die partizipatorische Kinder- und Jugendarbeit in Alten Eichen. Bastian Blischke, Erzieher in der Conrad-Gruppe, erklärte anhand verschiedener Beispiele,  wie die Kinder und Jugendlichen der Gruppe einbezogen werden. „In der Conrad-Gruppe haben die Kinder ein Mitbestimmungsrecht“, betont Blischke. So muss beim Zusammenleben mehrerer Kinder natürlich auch jeder mit anpacken – wer aber welchen Dienst übernimmt (Saugen, Geschirr oder Müll) legen die Kinder selbst fest. So werden die Kinder wieder aktiv und beteiligen sich gerne. Auch bei der Gestaltung des Wohnzimmers – das die Kinder selbst einrichten durften – haben sich die Mädchen und Jungen stark beteiligt. Es habe zwar ein halbes Jahr gedauert, doch entstanden ist ein gemütlicher Raum – von den jungen Menschen, die dort zuhause sind, selbst gestaltet.

„Viele der Kinder, die hier leben, haben Unrecht durch Erwachsene erfahren“, betont Blischke. Sie durften beispielsweise keine Meinung haben, nichts essen, wurden geschlagen oder eingesperrt. Gerade deshalb sei es wichtig, den Kindern klar zu machen, dass sie Rechte haben. „Wir haben mit den Pädagogen und einigen Kindern ein Plakat entwickelt, damit sie wissen, was Pädagogen dürfen und was nicht“, erklärt der Erzieher. Und auch einen Beschwerdebrief gibt es, der für alle Kinder und Jugendlichen verfügbar ist – damit auch die Pädagogen in Bezug auf diese Regeln kontrolliert werden. Das bietet den Kindern ein großes Stück Sicherheit.

Dieser Einblick in die Arbeit von Alten Eichen und der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort waren für die Besucher aus Marokko bereichernd. „Die Kollegen vor Ort sind stolz auf ihre Arbeit – und das sind wir natürlich auch“, so Matthias Spöttel, Geschäftsführer und Einrichtungsleiter Alten Eichen. Dennoch sei die Arbeit sehr unterschiedlich. Die partizipatorische Kinder- und Jugendarbeit sei beispielsweise in Marokko noch nicht so weit entwickelt wie in Bremen. Daher war die Führung durch die Conrad-Gruppe und die Fragen und Antworten besonders interessant für die Besucherinnen und Besucher. Gerade die Gespräche und der Austausch sind ein wesentlicher Punkt der Begegnungen. „Ich war selbst zu Gast in Marokko und freue mich ganz besonders, die Delegation nun in Alten Eiche begrüßen zu dürfen. Wir wurden in Marokko so gastfreundlich aufgenommen – ich freue mich, das nun zurückgeben zu können“, so Spöttel.

„Für die Besucher aus Marokko ist es besonders spannend, andere Methoden der Jugendarbeit, die ihnen nur theoretisch bekannt sind, in der Praxis zu sehen. Für die Bremerinnen und Bremer ist der interkulturelle Impuls besonders spannend“, so Dr. Jürgen Stein, Verbandskoordinator des Diakonischen Werks Bremen e.V. Er hat für den  Landesverband der Diakonie diese Reise in Zusammenarbeit mit Transnational Corridors organisiert und freut sich sehr, dass die Kolleginnen und Kollegen aus der Kinder- und Jugendarbeit aber auch aus anderen Bereichen der sozialen Arbeit, wie Sozialhilfe, Bildung oder Sucht, so viel Freude an der Begegnung haben. „Ich habe mitgenommen, was ich in Marokko gesehen habe und schaue dadurch nochmal mit einem anderen Blick auf meine Arbeit hier“, so Spöttel.  Dieser Perspektivwechsel sei eine große Bereicherung, der durch die Begegnungen möglich war.

2018-04-18T12:44:14+00:00